Märkische Allgemeine
Im Zeichen des Storchs, von Matthias Anke
Start und Ziel für Freizeitläufer: Am Summter See steht ein 100 Jahre altes Gasthaus.
Hat der Erich etwa sein kühles Blondes auf dem Weg nach Wandlitz stehen lassen? Sind die Genossen, die ihren nächsten Parteitag vorbereiten, kurz auf der Toilette verschwunden? In einem Gasthaus im Mühlenbecker Ortsteil Summt ist die DDR-Vergangenheit noch fast so lebendig, allerdings nur in einem der Räume: In dem mit der urigen, teilweise stoffbespannten, dunkelbraunen Bar, deren Zapfhähne seit der Wende geschlossen sind, ist die Zeit stehengeblieben.
Der Betrieb lief nur weiter im Restaurantbereich mit dem großen Festsaal nebenan und dem originalen Wintergarten davor. Das Ambiente dort erinnert schließlich an eine weitaus ältere Zeit. Im "Summter Storch" speist man jetzt seit genau 100 Jahren.
"Ein Nest hatten wir auf unserem Dach noch nie, aber Summt ist eben wegen seiner Störche bekannt", erklärt Wolfram Ritschl sein Kneipenlogo mit dem Weißstorch im roten Kreis. Seit sieben Jahren ist Ritschl der Wirt dieses Gasthauses, bekannt bis zum Jahr 2000 unter einem anderen Namen – "Summter See".
Es sind nur ein paar Meter bis zum Ufer, doch das Wasser schafft es nur im Winter durch die entlaubten Bäume bis zur Terrasse zu glitzern. Ein beliebter Platz seit eh und je vor allem bei Berlinern, die schon immer zu jeder Jahreszeit dorthin kamen, erst mit Pferdegespannen, später mit der inzwischen stillgelegten Heidekrautbahn. Vom weit entfernten Bahnhof mussten sie laufen oder radeln. An manchen Tagen waren es sogar nur Männer. Zu Himmelfahrt oder beim Pfingstfrühschoppen ließen sie im Umland die Sau raus. Goldene Zeiten waren das für den lackierten Vollholz-Tresen mit der Messingzapfanlage. Bis in der DDR eine Konsumgaststätte daraus wurde und die Besitzer wechselten. Es wurde ruhiger.
Trubel gab es erst wieder ab Mitte der Siebziger, als sich die Arbeiter vom Ringautobahnbau in Summt versorgen ließen. Ab 1980 dann leitete Helmut Sommerfeld das Gasthaus, das er nach der Wende gerne gekauft hätte. Von der Treuhand bekam er aber nie die Chance dazu, weshalb er das Anwesen verließ. So verfiel es ab Mitte der Neunziger, bis das Haus von Wolfram Ritschl ersteigert wurde, dem erfahrenen Gastronom vom kanzleramtsnahen Gourmetrestaurant "Paris-Moskau".
In Summt ist die Küche nicht so nobel wie an der Spree, das Essen deftiger. "Es muss schmecken wie zu Hause und noch ein bisschen besser", sagt Küchenchef Oliver Rath. "Kohlrübensuppe mit 'nem bisschen Gänsefleisch drin, sowas kannste in der Stadt nicht machen." Ein ungemein schmackhaftes Nachkriegsessen für 3,60 Euro, das die Summter Gäste mögen. Kaum ein Gericht überschreitet die Zehn-Euro-Marke.
Vom Kellner Tommy Beierlein nimmt Rath als nächstes – und wie so oft – eine Eisbeinbestellung (9,60 Euro, mittwochs 8 Euro) und den Auftrag für einen Aal "grün" (11,90 Euro) an und verschwindet hinter der Flügeltür. Links von dieser zieht ein grüner Kachelofen Blicke auf sich. An den Wänden drumherum Keramiken von Frauke Gerhard, einer Schülerin der bekannten Oberhaveler Künstlerin Hedwig Bollhagen.
Draußen, vor dem "Summter Storch", noch vor dem Wäldchen, durch das der See glitzert, führt nicht grundlos die Deutsche Tonstraße vorbei – und mittlerweile auch eine offizielle Nordic-Walking-Strecke. Deren Start und Ziel ist der "Summter Storch", seit einigen Jahren für Storchenläufe, Faschingsläufe und zur Adventszeit immer auch für den Bratapfellauf. Im Gasthaus beißen dann alle in ein Stück Stolle, schlürfen heißen Punsch und bekommen den Bratapfel dazu.
Im prächtigen Saal stehen dann wieder bis zu 130 Gäste auf einem Parkettboden, über dem Kronleuchter hängen bis vor zur kleinen Bühne mit ihren wallenden Vorhängen. Ein Boden, der in den 100 Jahren vieles miterlebt hat. Die dort des Feierns müde werden, können sich aber erst seit kurzen ins Obergeschoss schleppen und in einem der zehn Doppelzimmer nächtigen. Denn einst wohnten noch die Wirte dort unter dem Dach, auf dem nun endlich auch ein Strochennest angelegt werden soll.
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Summter Storch
Restaurant und Landgasthof
Liebenwalder Straße 64
16567 Mühlenbeck-Summt
Tel.: +49 033056 2 22 41
E-Mail: summter.storch@t-online.de
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Wir haben täglich von 11:30 Uhr bis 21:00 Uhr für Sie geöffnet.
So finden Sie uns
Der Landgasthof und Restaurant Summter Storch ist über den nördlichen Berliner Ring (A10 Richtung Hamburg) problemlos zu erreichen.
Sie nehmen die Ausfahrt MÜHLENBECK und fahren weiter in Richtung Liebenwalde.
Nach ca. 3 Autominuten erreichen Sie auf der rechten Seite den Summter See.
Auf der linken Seite befindet sich das Restaurant Summter Storch.
